Kein Kinderspiel: In der Konzeption einer App steckt Handwerk

Am Anfang steht bei einer Zeitschrift der Heftplan. Gilt das auch für die Konzeption einer App? Im Prinzip ja, so lautete unsere Entscheidung. Denn auch die App für Kinder sollte ein Magazin mit journalistischen Inhalten werden. Natürlich ist der Schritt des Heftplans, eigentlich das Ergebnis der Konzeption. Bevor Sie mehr über unseren fertigen Heftplan im nächsten Beitrag unserer App-Serie lesen können, gilt es den Rahmen für diesen zu klären.

Magazin und App: zwei Welten

In einem gedruckten Magazin wird der Rahmen des Heftplans unter vielen anderen Einflussfaktoren auch durch die Form und die Abmessungen des Papierformates begrenzt.

Die Parallele dazu sind bei einer App die unterschiedlichen Tablets und Smartphones, die es auf dem Markt gibt. Für jedes dieser Geräte müsste die App neu layoutet werden, da sie sich in der Bildschirmauflösung und dem Seitenverhältnis unterscheiden.

Auch die Fragen der Layoutvorgaben, der festen und wiederkehrenden Elemente und des Erscheinungsrhythmus müssen für eine App geklärt werden. Im Print gibt es dafür andere Probleme: die Art des Papiers, der begrenzte Heftumfang und der farbige Druck.

Unsere Festlegungen waren:

  • Zielmedium: iPad
  • Darstellung: Querformat
  • Erscheinungsrhythmus: eine Experiment-App, die nicht veröffentlicht wird
  • Wiederkehrendes Element: Fupp, der schlaue Fuchs, Grafiken des Magazins

Magazin heißt anschauen, App heißt anfassen

Sind die formalen Fragen geklärt, geht es um die Art der Präsentation. Wie kann die Redaktion die Themen für die App aufbereiten? Gibt es dabei Grenzen? In den App-Stores und App-Markets dieser Welt gibt es mehrere Arten von Magazin-Apps. Einige Redaktionen bieten ihr Printprodukt in einer optimieren E-Paper-Version an, die in eine App verpackt wurde. Die Möglichkeiten der Rezeption dieser Apps sind jedoch beschränkt. Häufig wird den Lesern lediglich erlaubt zu zoomen, Bilder auf Fingerdruck zu vergrößern oder die Texte in Rohform ohne Layout zu konsumieren.

Einige andere Redaktionen betreiben bei der Umsetzung ihrer Apps deutlich mehr Aufwand. Statt eines plumpen E-Papers wird den Lesern eine für Tablets optimierte Ausgabe angeboten. Artikel werden dabei mit interaktiven Elementen angereichert, Bilderstrecken ergänzt, Videos und Töne integriert und Themen zu Dossiers gebündelt. Von den oben beschriebenen Rahmenbedingungen eines gedruckten Magazins ist in dieser Art der Apps nichts mehr zu erkennen.

Wie aus Heft & Blog eine App werden

Bei der Konzeption des fuppMagazins haben wir auf einen crossmedialen Ansatz gesetzt. Einen Teil der Beiträge in unserem gedruckten Magazin haben wir durch Multimediainhalte im Internet angereichert. Dies gab uns die Möglichkeit, dass wir uns für die Tablet gerechtere Variante einer Magazin-App entscheiden konnten. Wir konnten auf multimediale Inhalte zurückgreifen.

Insgesamt ergaben sich für uns folgende drei Rahmenbedingungen auf konzeptioneller Ebene, auf der die Art der Themenauswahl und der Navigation innerhalb der App aufbauen kann:

1. Medieninhalte so aufbereiten, wie es das Medium erfordert

Die Form bestimmt nicht den Inhalt. Der Inhalt bestimmt die Form. Müssen für gedruckte Zeitschriften die Texte häufig auf Zeile oder Zeichen getextet werden, können sie in einer App problemlos auf eine neue Seite gebracht werden. In der Anzahl der Seiten eines Beitrags gibt es keine Einschränkungen. Dies gilt auch für die Seitenlänge.

Gleichzeitig dürfen sich Journalisten nicht genussvoll dieser neuen Freiheit hingeben. Sie müssen die Geschichte, die einem Beitrag zugrunde liegt neu für das Medium App denken. Statt eine Geschichte als Text in einer Reportage zu erzählen, kann eine Geschichte besser als Video mit ergänzenden Erklärtexten funktionieren.

2. Digital gedruckten Online-Journalismus denken

Apps sind wie Websites nur auf dem Tablet oder Smartphone. Wer diese These aufstellt, hat von Magazinapps bisher nur das Icon gesehen. Die Herausforderung – bei für das Medium gestalteten Apps – liegt darin, dass sie digital gedruckten Online-Journalismus den Nutzern bieten und diesen noch mit interaktiven Elementen anreichern. Dies ermöglicht es den Nutzern ein Thema zu entdecken und zu erleben, anstatt es nur zu zu lesen und die Bilder anzuschauen. Konkret heißt das für das Layout, dass die Redakteure in mehreren Ebenen denken müssen.

Es gibt eine Grundinformation, die zum Beispiel durch ein Gruppenfoto von drei Politikern dargestellt wird. Drucken wir dieses in ein Magazin oder veröffentlichen es auf einer Website, erklären wir in Form einer Bildunterschrift, wer darauf zu sehen ist, oder schreiben einen Beitrag, in dem wir die Geschichte der Personen verarbeiten.

In einer App kann das Foto Ausgangspunkt für drei individuelle Geschichten sein. Etwa dann, wenn wir Text -, Ton- oder Videobausteine auf eine Ebene über dieses Foto legen. Berührt der Nutzer eine dieser Personen, wird dessen Geschichte als Overlay über dem Foto angezeigt. Hat der Nutzer genug davon, kann er den Inhalt durch ein Wischen wieder in die digitale Versenkung der App zurückschicken und sich einer anderen Person widmen. Wichtig ist: Alle crossmedialen Elemente sind in einer App nicht mehr crossmedial, weil sie multimedial zu einem neuen Medienangebot verschmelzen.

3. Die Herkunft der Inhalte nicht vergessen

Bei all den Neuerungen, die das Layout als App an die Inhalte eines gedruckten Magazins stellt, darf die Herkunft der Inhalte nicht vergessen werden. Das gilt gleich in zweifacher Hinsicht. Einerseits müssen sich Redakteure eines Kindermagazins fragen, ob es Sinn ergibt eine Bastelanleitung für ein Memoryspiel in eine App zu packen. Nicht nur, dass es hier dem Medium gerecht wäre, wenn das Spiel direkt in die App integriert würde. Auch verklebte Tablet-Computer mit Kratzspuren von der Bastelschere dürfte nicht im Sinne der Eltern sein.

Andererseits muss die App einen starken Bezug zum dazugehörigen Stammmedium haben. In unserem Fall soll der Leser in der App also das fuppMagazin wiedererkennen.

Ist der erste Schritt für die App getan, kann die Themenauswahl und die Planung der Inhalte beginnen. Mehr zu unserer Themenplanung verrät Pascal morgen im dritten Teil unserer Serie.

Bild: fuppMagazin Redaktion, Larissa Ditzel / iPad: Serge Kij, flickr.com, CC-BY

Über Martin Krauß

Martin studiert an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus und interessiert sich für Politik, Nachhaltigkeit, Netzwelt und Medien. Er ist Mitglied im Autorennetzwerk youdaz.com und bloggt privat unter blog.martinkrauss.eu. Twitterkanal: @martin_krauss, Google+

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