Wie Kinder Medien nutzen

Wir haben Grundschüler der dritten und vierten Klasse zu ihrem Medienverhalten befragt. Die sowohl quantitative als auch qualitative Befragung eröffnete nicht nur uns einen Blick ins Medienverhalten der Acht- bis Elfjährigen, sondern auch ihren Lehrkräften. Kinder, die alleine googlen oder in der Wikipedia suchen, sind in unserer befragten Gruppe keine Einzelfälle. In die Befragung floss das Medienverhalten der Kinder sowohl in Bezug auf „alte“ als auch „neue Medien“ ein. Hier sollen nicht nur die Ergebnisse präsentiert, sondern auch interpretiert werden.

Sofern nicht anders beschrieben, beziehen sich die prozentualen Angaben auf die gesamte befragte Gruppe aus drei dritten Klassen und zwei Klassen der Klassenstufe vier. Formulierungen wie “Viertklässler? sind geschlechtsneutral zu verstehen und beziehen sich daher auch auf die Mädchen in der Klasse.

Kinder lesen alleine oder mit Freunden

Um herauszufinden, wie Kinder Print-Magazine lesen, teilten wir eine Woche vor der schriftlichen Befragung an zwei Schulklassen das “ZEITLeo?- und an drei Schulklassen das “WasIstWas?-Magazin aus. Anschließend fragten wir die Kinder, wie sie sich zuhause mit der Zeitschrift beschäftigt hatten. Zur Auswahl standen die Antwortmöglichkeiten “alleine?, “mit meinen Eltern oder anderen Erwachsenen? oder “mit Freunden?.

Die in der befragten Gruppe ausgeteilten Kindermagazine lasen die Kinder fast alle für sich: Je nach Klasse schwankte die Antwort “alleine? zwischen 80 und
100 Prozent. Zwischen sechs und 25 Prozent der Kinder lasen mit Freunden.
Da Doppelnennungen möglich waren, konnten die Kinder auch angeben, dass sie sowohl alleine, als auch mit Freunden die Hefte gelesen hatten. Dennoch: Lediglich jedes zehnte Kind gab an, die Zeitschrift mit einem Erwachsenen gelesen zu haben.

Die Kinder sehen keinen Grund für einen Erwachsenen an ihrer Seite. Zwischen 80 und 94 Prozent der Kinder gaben an, alle Texte vollständig verstanden zu haben. Ungefähr jedes zehnte Kind wünschte sich jedoch zu ausgewählten Texten mehr Erklärung. Was nicht heißen muss, dass die Kinder die Texte nicht verstanden hätten.  Womöglich realisieren sie, dass hinter manchen Themen mehr stecken muss und fordern mehr Informationen ein.

Nur drei der 91 befragten Kinder gaben an, dass sie einzelne Texte als zu schwierig empfunden hätten.

Unterhaltungsmedium Zeitschrift

Zehn bis 30 Prozent der Kinder gaben an, eine Zeitschrift zu abonnieren. Die meisten genannten Titel lassen sich als unterhaltend einstufen. So nannten einige der Kinder “BRAVO?, “Micky Maus? oder allgemein “Comics?. Aber auch Titel wie “GEOlino? oder “ZEITLeo? lesen die Kinder nach eigenen Angaben regelmäßig. In jeder Klasse gaben aber zwei bis drei Schülerinnen an, die Zeitung der Eltern mitzulesen.

Informationsmedium Fernsehen

Hauptinformationsquelle neben der vereinzelt genannten Printprodukte, ist für die meisten Kinder eine Kinder-Nachrichten-Sendung im Fernsehen. Ein Großteil der Kinder schaut regelmäßig “logo?. Dort erfahren die Kinder von Unglücken wie dem der Costa Concordia, zu dem sie die Faktenlage korrekt wiedergeben können. Auch hier wollen sie mehr dazu erfahren. Ungefähr zwei Drittel der Kinder berichteten, dass sie abends mit den Eltern die Nachrichten für Erwachsene sehen. Es zeigt sich also einerseits, dass die Kinder häufig mehr und tiefergehende Information fordern, als ihnen die Medien zur Verfügung stellen. Andererseits befriedigen sie dieses Bedürfnis womöglich mit medialen Inhalten für Erwachsene.

Lesen auf digitalen Geräten

Auf die Frage, ob die Kinder am Computer lesen, antwortete ein Drittel bis die Hälfte der Kinder mit „ja“. Tendenziell lesen die älteren Kinder mehr am Computer als die jüngeren. In Ausnahmefällen benennen die Kinder namentlich Smartphones, auf denen sie lesen.

(Informations-) Suche im Netz

Vielen Kindern sind die gängigen Suchmaschinen im Netz bekannt. Die Kinder nennen Google und Wikipedia. Sie suchen aber auch mit YouTube und Online-Shops wie ebay und Amazon. Nur eines aller befragten Kinder nannte eine Kinder-Suchmaschine.

In der mündlichen Befragung der dritten Klasse in Stuttgart sagten 73 Prozent der Kinder, dass sie mit Google im Netz suchen. Auf die Frage, ob sie mit einem Erwachsenen googlen, antworteten ungefähr 60 Prozent mit “ja?. Es ist also davon auszugehen, dass etwa die Hälfte Google alleine nutzen.

Die Aussagen der Viertklässlerinnen unterscheiden sich diesbezüglich kaum.
70 Prozent nutzen Google selbstverständlich, 40 Prozent benutzen teils den eigenen PC ohne Aufsicht. Nur zehn Prozent nutzen Lexika, um sich zu informieren.

Im Internet suche ich…

In der Grafik ist in absoluten Zahlen aufgeführt, wie viele Kinder nach dem jeweiligen Thema im Netz suchen. Die Antworten stammen von 92 Kindern.

Suchen Kinder nach Antworten, werden aber meistens die Eltern zuerst gefragt. Zwischen 50 und 83 Prozent der Kinder entschieden sich für die Antwort „Manchmal suche ich am Computer, meistens frage ich meine Eltern.“ Es ist also bei Weitem nicht so, dass die Kinder aufgrund digitaler Möglichkeiten auf Fragen an die Eltern verzichten.

 

Randnotiz des Autors: Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die Kinder in Sachen Medienkompetenz teilweise sehr fit sind. 19 der 20 Schülerinnen der vierten Klasse in Stuttgart beschwerten sich über die teils unpassende und zu penetrante Werbung, die ihnen im Heft präsentiert wurde. :D

Über Pascal Tannich

Pascal leitet die Printredaktion des Fupp-Magazins und gestaltet das Heft als Mitglied im Layout-Team mit. Außerdem hat er für die Zielgruppenanalyse zwei Schulklassen in Stuttgart befragt. Pascal bloggt auch privat. Außerdem zwitschert er als @freilichthirn.

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