Ein Monster, das erklären kann

Kruschel-Redakteurin Mara Braun

Seit Ende April erscheint „Kruschel – Deine Zeitung“, herausgegeben von der Verlagsgruppe Rhein-Main. Es ist die erste wöchentliche Kinder-Abozeitung einer deutschen Tageszeitung. Im Interview erzählt Kruschel-Redakteurin Mara Braun, warum die Figur Kruschel gar nicht so oft im Heft auftaucht und wie man am besten für Kinder über ernste Themen schreibt.

Wie kam es zur Erfindung des grünen Zeitungsmonsters Kruschel und wann war das?

Kruschel als Figur gibt es seit 2008. Die Entwicklung war ein studentisches Projekt und hatte anfangs mit Kindermedien gar nichts zu tun. Das Monster hat sich optisch weiterentwickelt. Irgendwann war die Idee da, die Figur mit einer Zeitung extra für Kinder zu verknüpfen.

Welche Rolle spielte Kruschel bevor die eigene Zeitung eingeführt wurde?

Die Figur hat eine längere Entwicklung hinter sich. Zunächst wurde Kruschel nur Teil unserer Kinderseite, die samstags im Journal in den Tageszeitungen der Rhein-Main-Presse erscheint. Daraus hat sich die Idee entwickelt, Kruschel täglich in der Zeitung mitwirken zu lassen. Inzwischen erklärt er jeden Tag kindgerecht bestimmte Begriffe, die sich aus der aktuellen Berichterstattung ergeben. Übrigens war schnell klar, dass er mehr sein soll als ein Maskottchen, nämlich eine Figur mit Erklärkompetenz.

Seit April dieses Jahres hat Kruschel seine eigene Wochenzeitung. Welche Zielgruppe soll das Produkt ansprechen?

Ungefähr Sieben- bis Zwölfjährige. Unsere Marktforschung hat gezeigt, dass danach das Interesse an dem Produkt abnimmt. Für die jüngeren Kinder ist eher unsere wöchentliche Kinderseite in der Tageszeitung gedacht. Auf der Kinderseite wählen wir unsere Beiträge eher so, dass sie auch schon jüngere Kinder ansprechen. Wobei wir auch schon die ersten Rückmeldungen von Eltern haben, dass die Kinderzeitung von Kindern im Vorschulalter vorgelesen wird.

Wie ist die Zeitung aufgebaut?

Es gibt eine feste Abfolge. Die Seiten zwei und drei behandeln aktuelle Nachrichten der Woche. Anschließend folgt eine Doppelseite mit dem Topthema, das ist ein Thema, das wir ganz bewusst setzen. Da achten wir auch auf eine gewisse Aktualität – Themen waren zum Beispiel schon Muttertag oder Bienen. Auch für die Panoramaseite, die mit der Rubrik „Wissen“ gekennzeichnet ist, überlegen wir uns ein ganz bestimmtes Thema – zum Beispiel die Entstehung von Seife oder die Weltreligionen. Wichtig sind uns auch Mitmachelemente. Die Kinder können uns Witze schicken, die wir auf der letzten Seite veröffentlichen – genau wie einen Steckbrief, das ein Kind für jede Ausgabe ausfüllt. Außerdem gibt es Buch- und Ausflugstipps – für die Buchtipps kooperieren wir mit verschiedenen Buchhandlungen. Und wir pflegen inhaltliche Kooperationen mit der Universität Mainz, der Mainzer Kinderhilfsorganisation Human Help Network, der Aktion Tagwerk und ÖkoLeo, einem Online-Magazin des Hessischen Umweltministeriums. Das heißt, hier haben wir Partner, die wir als Redaktion – also Projektleiterin Eva Fauth und ich – oder auch unsere freien Autoren gezielt bei der Recherche von Themen ansprechen können. Über Human Help Network können wir damit beispielsweise Themen aus deren Projektländern realisieren – zum Beispiel über Schulkinder in Afrika oder wie die Kinder dort über Familie denken. Das wäre für uns auf die Entfernung sonst nicht machbar und da bietet die Kooperation tolle Chancen.

Als Figur ist Kruschel in seiner Zeitung weniger präsent als man dem Namen zufolge annehmen könnte. Woran liegt das?

Es gab natürlich eine Entwicklung hin zu der Zeitung wie sie jetzt jede Woche erscheint. Neben Fragen zum Layout und der Themengewichtung hatten wir auch die Diskussion, wie oft die Figur in der Zeitung abgebildet sein soll. Wir hatten im Vorfeld eine Marktforschungs-Studie in Auftrag gegeben, die ergab, dass die Kinder die Figur nicht auf jeder Seite brauchen. Es ist also wichtig, den Charakter mit der Zeitung zu verbinden, um eine Identifikation mit dem Produkt zu schaffen und Vertrauen aufzubauen. Aber man sollte es nicht übertreiben.

Im Nachrichten-Teil der Kinderzeitung haben Sie bereits über den norwegischen Massenmörder Breivik oder die Erschießung Osama bin Ladens berichtet. Muss Journalismus für Kinder auch solche Themen behandeln?

Es ist wichtig, auch über schlimme Dinge zu berichten. Die Kinder haben schließlich Fragen dazu. Der Leitsatz ist dabei: Wir sparen kein Thema aus, man muss aber einen Weg finden, dem Kind dabei keine Angst zu machen. Konkretes Beispiel dazu: In einer Ausgabe haben wir das Thema Organspende behandelt, bei der eine 16-Jährige ein Spenderherz erhalten hat. Sie hatte davor eine einfache Erkältung, die unter unglücklichen Umständen zu einer Herzmuskelentzündung geführt hat. Da war unsere Bitte an die Autorin, im Text zu erklären, dass so etwas extrem selten ist. Schließlich muss man vermeiden, dass das Kind bei der nächsten Erkältung Angst davor bekommt, ein neues Herz zu benötigen.

Die Kinderzeitung ist ein Produkt der Rhein-Main-Presse. Wie groß ist der regionale Bezug in den Beiträgen?

Wir haben jedes Mal eine Seite mit Ausflugstipps, die natürlich einen regionalen Bezug haben. Ansonsten ist auch im Nachrichten-Teil ein regionales Thema gern gesehen, zum Beispiel hatten wir kürzlich einen Beitrag zu Fluglärm. Trotzdem spielt das Regionale bei uns eine kleinere Rolle als in der lokalen Tageszeitung.

Parallel zur Zeitung gibt es nun auch eine Kruschel-Webseite und einen Facebook-Auftritt. Erreicht aber gerade Facebook die Kinder direkt?

Die Diskussion darüber gab es im Vorfeld tatsächlich. Deswegen haben wir uns einen Überblick verschafft, wie ähnliche Presseerzeugnisse mit dem Thema umgehen. Dabei haben wir festgestellt, dass die meisten Medien für Kinder auf Facebook vertreten sind. Natürlich ist Facebook erst ab einem Alter von 13 Jahren erlaubt. Trotzdem glaube ich, dass über Eltern oder ältere Geschwister der Zugang dazu besteht. Auch wenn sich die Ansprache unserer Postings natürlich an die potenziellen Leser, also die Kinder im Grundschulalter, richtet. Wir bedienen den Kanal mit, aber eher als zusätzliche Form, um Aufmerksamkeit für Kruschel zu schaffen.

                                                                   Das Interview führte Natascha Krämer

            Titelbild Kinderzeitung: Verlagsgruppe Rhein-Main
Sonstige Bilder: Harald Kaster

Über Natascha Krämer

Natascha wohnt in Mainz und studiert an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Neben dem Studium schreibt sie Artikel für zwei Zeitungen.

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  1. Frauen kommunizieren, Männer programmieren » YOUdaz.com - 12. Mai 2013

    […] Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt. Im Studium hat sie an den Projekten strabada und fuppMagazin mitgearbeitet. Im Moment schreibt sie ihre Bachelorarbeit über Volontariate im crossmedialen […]