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Schreiben für Kinder: verständlicher, anschaulicher, einfacher

Wie stark wir beim Schreiben für Grundschüler auch auf die rhetorischen Mittel und die Anschaulichkeit achten mussten, haben wir erst beim Redigieren der Artikel gemerkt. Und wir haben festgestellt: Ein bisschen mehr Klarheit in der Sprache täte erwachsenen Medien auch ganz gut.

Zu lange Sätze, zu viele Fachbegriffe, zu umständliche Formulierungen. Das waren die größten Kritikpunkte, als wir unsere Artikel für die Kinder gegenseitig redigiert haben. Deshalb sahen die meisten Korrekturen von uns Nachwuchs-Journalisten so aus: Wir haben Schachtel- durch Hauptsätze ersetzt, Fachbegriffe umschrieben und Kompliziertes einfacher geschrieben.

Begriffe wie „wortwörtlich“, „populär“ und „Literatur“ haben wir gestrichen, über Redewendungen wie „Fotos schießen“ und die Veranschaulichung von Größen und Längen wurde in der Gruppe vielfach diskutiert.

Kein Vorwissen voraussetzen

Wir haben gemerkt: Wenn wir bisher Artikel für Erwachsene geschrieben haben, haben wir viel Wissen und Verständnis vorausgesetzt. Natürlich muss man da weniger erklären, kann mehr mit Worten spielen und auch rhetorische Mittel wie Ironie und Metaphern einbringen. Bei den meisten Seminarteilnehmern haben sich solche Angewohnheiten schon zu einem eigenen Stil entwickelt, der in diesem Projekt ein wenig aufgebrochen werden musste. Zwar sollte jeder seine eigene Schreibweise beibehalten, aber klare Formulierungen und verständliche Erklärungen standen im Vordergrund. Denn offenbar wollen Kinder noch viel stärker als Erwachsene, dass der Journalist bei seinem Thema schnell auf den Punkt kommt. Wir haben uns darin geübt, passende Vergleiche für komplexe Sachverhalte zu finden und so detailliert zu schreiben, dass die Kinder sich in die jeweilige Situation hineinversetzen können.

Komplizierte Sätze umschreiben

Sätze wie „Einige Sportarten fristen nicht nur zu Zeiten einer Fußball-EM ein Randdasein“ haben die Autoren dann umformuliert in „Außer Fußball gibt es noch viele andere interessante Sportarten. Leider sind einige davon nicht so bekannt.“

Absätze wie dieser: „Dort geben sie den Sauerstoff an deine Zellen ab und nehmen Kohlendioxid, das die Zellen produziert haben, auf. Durch die Venen transportieren sie das Kohlendioxid nun zu deiner Lunge, wo du es wieder ausatmest.“ sahen nach der Redigatur so aus: „Dort geben sie den Sauerstoff ab. Dein Gehirn zum Beispiel braucht ganz viel Sauerstoff. Wenn es ihn verbraucht hat, entsteht ein anderer Stoff: Er heißt Kohlendioxid. Der muss schnell aus dem Körper raus. Deswegen transportieren ihn die roten Blutkörperchen zur Lunge und wenn du ausatmest, bist du den Stoff wieder los.“

Fachchinesisch ist tabu

Altbackene Formulierungen, abstrakte Schreibweisen und vor allem unerklärtes Fachchinesisch waren für uns Journalisten tabu. Wir haben für die Kinder unsere Sinne geschärft und gemerkt, dass die ein oder andere neue Schreib-Angewohnheit auch Vorteile für das alltägliche Schreiben bringt. Denn welcher Erwachsene freut sich denn nicht über einfache, kurze Sätze, in denen Fachbegriffe leserfreundlich erklärt werden?

Bilder: Caroline Lobig

Über Caro Lobig

Ich studiere Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt und arbeite als freie Journalistin bei Tageszeitungen und einem Online-Magazin. Ich interessiere mich für Medien, Tiere und soziale Projekte. Bei Twitter findet man mich unter #CaroLobig.

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